Schnurstepperei

Von am 7. April 2022 0

Was ist Schnurstepperei?

Längst gehören die Zeiten, in denen reine Handarbeit notwendig war und jeder Stich perfekt saß, der Vergangenheit an – eigentlich schade, oder? Bis auf wenige erfreuliche Ausnahmen verlässt man sich heute auf die maschinelle Fertigung – aber das war nicht immer so.

Im 18. Jahrhundert vollzog sich die Fertigung der kostbaren Kleider noch in reiner Handarbeit, und nicht nur talentierte Schneider waren überaus gefragt. War ein neues Kleid maßgeschneidert, übernahm der Putzmacher, um das gute Stück mittels Präzision, Geschick und viel Ideenreichtum mit modischen Details zu veredeln.

Diese kreativen Blickfänger spielen in der Tracht als Auszier schon lange eine große Rolle. Traditionelle Muster und Formen geben auf diese Weise über Brauchtum und Herkunft einer Tracht Auskunft.

Klassische Textilkunst zeigt sich auch in der Schnurstepperei, eine dieser traditionellen Formen. Besonders das „Salzburger Steppmieder“ gelangte durch diese Technik zu besonderer Bedeutung. Denn es ist mittlerweile immaterielles Kulturerbe.

Bei der Schnurstepperei ist Präzision gefragt, denn der Schneider legt dazu eine Paspel-Schnur unter den Oberstoff, um ihn dann mit einer Zwillingsnadel, die rechts und links dieser Schnur entlangläuft, zu versteppen. So erhält der Stoff eine gewisse Plastizität, die einer Prägung gleichkommt.

Schnurstepperei – Kunstwerke am Dirndl

Mit der Schnurstepperei wird das einfachste Dirndl zum Kunstwerk!

Die Schnurstepperei erfährt besonders am Leib eines Dirndls ihre Vollendung, denn dieser ist das am meisten sichtbare Stück eines Dirndlkleides. Schlicht und minimalistisch oder üppig verziert, der Möglichkeiten gibt es sehr viele. Die Schnurstepperei veredelt auf die unaufdringliche Art und Weise, sodass auch eine breite farbige Passe sehr schön wirkt.

Dirndlfans wissen es längst – die Schnurstepperei ist etwas ganz Besonderes!

Wenn die Dirndl-Auszier mit einer dekorativen Schnurstepperei verschönert wird, werden sehr exklusive und hochwertige Akzente gesetzt. Und es ist auch gar nicht so schwer, diese traditionelle Stepperei einmal am eigenen Dirndlmieder auszuprobieren. Dabei ist erlaubt, was gefällt!

Die eigene Kreativität ist durchaus gefragt, denn die Schnurstepperei hört auf ganz eigene Regeln, und vielleicht reichen auch bereits zwei Bahnen? Wer aber ganz klassische Wege mag, setzt auf zwei enge Bahnen und eine weitere Bahn mit einem etwas größeren Abstand.

In diesem Falle reichen bereits je 4 bis 5 Meter Paspelschnur/Baumwollschnur mit einem Durchmesser von 3 bzw. 1 Millimeter. Der Nähmaschinen-Biesen-Fuß sollte 3 Rillen bzw. 5 Rillen aufweisen, damit Zwillingsnadel 3.0 bzw. 2.0 ihren Job machen können. Optional sollte noch ein Kurvenlineal bzw. ein Kreidestift bereitliegen – und dann kann’s auch schon losgehen.

Die klassische Dirndl-Auszier mit einer traditionellen Schnurstepperei gehört zu den Geheimnissen des Dirndl-Nähens. Diese Kostbarkeit wird mit viel Stolz von den Sennerinnen getragen, wenn sie ihre Festtagstracht anlegen.

Bei dieser liegt der Fokus hier auf dem Steppmieder, denn die wertige Handarbeit der Schnurstepperei hat hier ihren Ursprung. In schöner überlieferter Tradition wird diese reliefartige Stickerei, bei der es darum geht, Baumwollschnüre als Verbindung zweier Stofflagen in grafischen Mustern einzuflechten, gepflegt und geliebt.

Heute findet diese Kunst wieder großen Anklang, wobei das Miederoberteil zusätzliche Aufwertung durch passende Details, wie Knöpfe, Silberhaken, Ketten, Charivari und Dirndlschürzen-Schließen, erfährt. Die Schnurstepperei kreiert aus jedem einfachen Trachtenmieder im klassischen Schnitt ein Traumdirndl erster Wahl.

Bild: Gössl

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