Dirndl & Nachhaltigkeit – eine gelungene Liaison

Von am 30. März 2023 0 119 Views

Der 2. Wettbewerb nachhaltig.DIRNDL rief, und alle kamen!

Im November 2022 ging’s im idyllischen Schloss Kreisbach in Wilhelmsburg hoch her – sehr nachhaltig, aber auch lustig & bunt. Die Prämierung des nachhaltigsten Dirndls stand an und textile Meisterwerke mit dem gewissen Weitblick standen nicht nur auf dem Programm-Flyer.

Preisträgerinnen des Wettbewerbs nachhaltig.Dirndl

Dirndl & Nachhaltigkeit – eine gelungene Liaison!

Eine rundum gelungene Veranstaltung krönte nicht nur ein Projekt, das Nachhaltigkeit in den Fokus rückte, sondern bestätigte einmal mehr, dass diese Thematik auch im Zusammenhang mit Dirndl & Tracht eine wichtige und stets aktuelle Rolle spielt.

13 Teilnehmerinnen mit 44 eingereichten Modellen standen nicht nur für den nachhaltigen Augenblick, sondern für einen überaus kreativen und schonenden Umgang mit der Ressource Material, der die Fertigung samt kompletter Produktionskette einschloss.

Und die hochkarätige Fachjury hatte es sich nicht leicht gemacht!

Nachhaltigkeit stand auf dem Plan, und Nachhaltigkeit wurde auch originell gelebt. Einige Modelle verinnerlichten diesen Gedanken sogar so intensiv, dass die kreative Wiederverwertung anderer Kleidungsstücke perfekt praktiziert wurde.

Krawatten & Hemden wurden also kurzerhand „umfunktioniert“ und der Aspekt der Nachhaltigkeit und Variabilität bekam so ein sehr innovatives Antlitz.

Die Fachjury staunte, analysierte und philosophierte – aber dennoch führte kein Weg daran vorbei, gleich zwei Kreative in der Kategorie „Schneiderinnen“ für ihre nachhaltigen Dirndl zu krönen. Und so standen zwei erste Plätze für Ideenvielfalt und Innovation.

Die erste Glückliche war Marlene Zehetner-Brauer aus Wolfsbach, die mit ihrem Jägerdirndl rundum überzeugte. Hochwertige Verarbeitung traf hier auf eine hervorragende Qualität der Applikationen, und auch die selbstgefertigten Zwirnknöpfe, die den Gürtel und die passende Halskette zierten, waren schwer zu übersehen.

Preisträgerin Marlene Zehetner-Brauer

Rundum gelungen, so sagt man wohl angesichts einer so stimmigen Dirndl-Komposition, oder?

Jedoch stand auch der Dirndlstammtisch Schwarzatal in nichts nach!

Sein „Nachkommin.Dirndl“, übrigens Original Upcycling, stand für übriggebliebene Mutti-Dirndl-Stoffe, denen ein zweites Leben eingehaucht wurde.

Dirndlstammtisch Schwarzatal

Die Baby- und Kinder-Dirndl-Kollektion baute auch auf recycelte Zwirn-Knöpfe bzw. Jäckchen und Schuhe, die aus Walkloden genäht wurden – allerdings nur, solange der Vorrat reichte!

Auch die Kategorie „Schülerinnen“ wurde durch Manjana Eigelsreiter aus der HLM Krems siegreich vertreten.

Sie schnappte sich den ersten Platz, indem sie ein wunderschönes Dirndl kreierte – übrigens angelehnt an die traditionelle Alltagstracht des Traisen- und Triestingtales – dessen Materialien überwiegend in österreichischen Landen produziert wurden.

Die Tracht steht bei Manjana Eigelsreiter sowohl für Tradition und Nachhaltigkeit als auch für Individualität und Zusammengehörigkeit.

Preisträgerin Manjana Eigelsreiter

Marlene Zehetner-Brauer fügte noch hinzu, dass man als Frau mit einem Dirndl immer gut und richtig angezogen ist, denn es passt für jede Figur.

Sie persönlich fühlt sich gut in ihrem Dirndl, steht es doch für ein sehr weibliches Kleidungsstück. Marlene trägt gerne und sehr oft Trachten-Bekleidung und schätzt die traditionelle Verbundenheit und das Heimatgefühl.

Auch Karin Seyser sieht es ähnlich, wenn sie anmerkt, dass sie Tracht & Dirndl als identitätsstiftendes Kulturgut einer Region sieht – und sie sagen kann „Da bin ich zu Hause, das ist unsere schöne Region.“

Recht haben sie alle, oder?

Auch die Beweggründe, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, reichen bei Manjana von der Wissenserweiterung bei der Dirndl-Herstellung über eine tolle Projekt-Broschüre, die Marlene in die Hände spielte und sogleich mit Feuer & Flamme umgesetzt wurde bis zu dem Entschluss, den „kleinsten ökologischen Fußabdruck“ zu präsentieren – ein Aspekt, der die Macherinnen rund um Karin motivierte.

Allen gemein war jedoch der innovative Wunsch, Altes zu bewahren und Neues daraus entstehen zu lassen!

Manjana Eigelsreiter kommt immer wieder ins Schwärmen, wenn sie – befragt nach dem Besonderen an ihrem Wettbewerbsdirndl – darauf verweist, dass es diese einzigartige Mischung aus Tradition & Moderne ist, die explizit durch die runde Unterbrustnaht unterstrichen wird.

Auch Marlene Zehetner-Brauer kann nicht umhin, zu betonen, dass alleine die Freude am Entwerfen, Formen, Gestalten und Kombinieren der Stoffe überwiegt – wenn ein neues, kreatives Dirndl entsteht.

Und sie schwört darauf, dem „werde Prozess“ genügend Raum zu geben, Bilder im Kopf entstehen und wachsen zu lassen. Kurzum, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, was vorher nur in einer gedanklichen Welt existierte.

Karin Seyser schließt sich diesen Gedankenspielen gerne an und fügt hinzu, dass bei ihr primär auch die Wahl der Materialien, die Thematik der Nachhaltigkeit und die regionalen Bezüge ein Wörtchen mitzureden hatten, denn das kleine Maßdirndl steht für ein Stück Volkskultur aus Niederösterreich, ist einzigartig mit dieser Region verwurzelt und wird auch die Nachkommen noch erfreuen!

Wenn es rund um den wichtigsten Tipp für Trachtenneulinge geht, sind sich die Damen (fast) einig:

Manjana sieht sich selbst noch als einen Neuling in puncto Trachten an, sodass sie zunächst einmal auf eine perfekte Fertigung und eine große stoffliche Vielfalt Wert legt.

Marlene gibt unumwunden zu, dass es nicht empfehlenswert ist, als erstes Dirndl ein günstiges Kunstfaser-Teil zu erwerben. Stattdessen schwärmt sie von schönen Baumwolle/Leinen Dirndlkleidern oder hochwertiger Trachtenkleidung, denn damit verbindet sie neben einem wertigeren Ansehen auch ein besseres Tragegefühl.

Nur wer sich in seiner „zweiten Haut“ wohlfühlt, strahlt es auch nach außen aus. Ansonsten rät sie auch zur Kombination Lieblings-Jeans mit flotter Trachten-Weste, denn Trachtenkleidung steht jedem – von Jung bis Alt, traditionell oder ausgefallen!

Diesem Statement schließt sich auch Karin an, wenn sie bemerkt, dass Tracht immer modern ist und das Tragen für die Verbindung zwischen Mensch und Region steht.

Der Wettbewerb „nachhaltig.DIRNDL“ stellt eine Kooperation zwischen Volkskultur Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich – Landesinnung für Mode und Bekleidungstechnik sowie eine Initiative zur Unterstützung und Förderung des Schneidergewerbes und der Selbstfertigung dar – sodass auch Doris Schmidl, Abgeordnete zum NÖ Landtag, es sich nicht nehmen ließ, ermutigende Grußworte in Vertretung der Schirmherrin, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, zu überbringen.

Tradition trifft Gegenwart – diesem Slogan konnte sich auch Manuela Göll, Geschäftsführerin der Volkskunst Niederösterreich, nicht entziehen und schwärmte von der spannenden Thematik der Nachhaltigkeit genauso wie vom ökologischen Fußabdruck. Aspekte, die auch bei Dirndl & Tracht eine große Rolle spielen – und der Begriff „slow fashion aus Tradition“ ist weiter auf dem Vormarsch!

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