Kranzlstechen – ein verwegener Brauch

Von am 22. Juni 2022 0 130 Views

Kranzlstechen – was sich hier etwas verwegen und vielleicht auch martialisch anhört, ist nichts anderes als ein beliebter Bestandteil eines Volksfestes, auf dem Brauchtum lebendig gelebt wird.

Kranzlstechen – alles über den Brauch

Das Kranzlstechen lässt den Georgiritt oder den Leonhardiritt zum Highlight werden.

Bei diesem Brauch geht es schon ein wenig wild zu. Denn hierbei bemühen sich Reiter sich im vollen Galopp oder Kutscher in rasanter Fahrt, mit einem Weidenstock einen am Galgen aufgehängten Kranz „herunterzustechen“.

Wenn’s gelingt, ist die Freude natürlich groß und der Obstler nicht weit!

Der Ursprung des Kranzlstechens – gelebtes Brauchtum vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert

Beim „Kranzlstechen“ ist die Gaudi vorprogrammiert.

So war es damals wohl ein Hochzeitsbrauch, der auch heute das Leben feiert!

Wie es wohl damals im Mittelalter so zuging? Nun, Zeitzeugen gibt es ja leider nicht mehr. Also müssen die Geschichtsbücher „herhalten“:

Einem überlieferten Hochzeitsbrauch zufolge wurde der zuvor von der Braut abgelegte Jungfernkranz „publikumswirksam“ an einem Baum aufgehängt.

Wir wissen heute natürlich nicht mehr, ob es sich um die Nebenbuhler des Bräutigams oder seine Freunde handelte, die das Spiel dann fortführten.

Egal auch, aber in jedem Falle versuchten die männlichen Hochzeitsgäste dann, mit ihren Degen und hoch zu Ross, den Kranz aufzufangen.

Natürlich wollte jeder der Glückliche sein, denn dem Sieger wurde eine besondere Ehre zuteil – er durfte der Dame seines Herzens den Kranz überreichen!

Heute ist das Kranzlstechen Bestandteil vom Georgiritt in Salzburg und auch vom Leonhardiritt in Oberösterreich.

Mittelalterliche Ritterspiele sind für den Brauch als Ursprung deklariert. Und diese gaben den Ausschlag, die schöne Art von Brauchtum – auch in heutiger Zeit – wieder mit viel Lebendigkeit zu erfüllen.

 

Georgiritt und Kranzlstechen – Eure Majestät persönlich schaut vorbei!

Zu Ehren des Heiligen Georg, dessen Gedenktag am 23. April ist, ist im April ganz Bad Ischl auf den Beinen, wenn wieder ein Georgiritt, eine Pferde-Wallfahrt, stattfindet.

Dieser stimmungsvolle Umzug, der musikalisch mit viel Blasmusik begleitet wird, führt dann zur Trabrennbahn nach Kaltenbach, wo eine Pferdesegnung durchgeführt wird.

Und danach folgt das, worauf viele schon gespannt warten – das Kranzlstechen!

Reiter wie Pferd gehen dann hoch motiviert an den Start, um ihr sportliches Geschick, natürlich unter den wachsamen Augen des zahlreichen Publikums, unter Beweis zu stellen.

Diese Traditionsveranstaltung ist ein fester Programmpunkt im jährlichen Veranstaltungskalender von Bad Ischl und gerät auch immer zu einer besonderen Gaudi, wenn der Wettergott mitspielt.

Andere Städte, andere Namen oder auch andere Mütter haben schöne Töchter!

Was in Bad Ischl der pure Georgiritt, wird in Eugendorf bei Salzburg der „Kirchberger Georgiritt“ – natürlich auch zu Ehren des heiligen Georg – genannt.

2022 waren ganze 10 Gespanne, 6 Reitergruppen, 115 Pferde und ein Esel trafen auf 9 kostümierte Reiter, 4 Landauer, Landauer mit Goldhauben, 1 Großwagen, 1 Vierergespann und Reiter auf bunt geschmückten Pferden – und das Spektakel konnte seinen Lauf nehmen!

Der Höhepunkt war natürlich das Kranzlstechen, wobei die geschickten Reiter nunmehr auf eine Lanze zurückgriffen – natürlich unter den anfeuernden Rufen der zahlreichen Zuschauer.

Auch in Bayern hat der Georgiritt in vielen Gemeinden Tradition.

Leonhardiritt – Kranzlstechen im November

Der Georgiritt findet im April statt. Das Pendant dazu ist der Leonhardiritt, der im November im Kalender steht.

Am Leonharditag, dem 6. November, oder einem benachbarten Wochenende finden ihm zu Ehren Wallfahrten, Leonhardiritte und Tier- und Pferdesegnungen statt. In manchen Gemeinden folgen auf den Leonhardiritt noch Reiterspiele nach.

Denn im Anschluss an die Leonhardiritte finden an den Nachmittagen in manchen oberösterreichischen Gemeinden wie St. Leonhard bei Pucking, Weißenkirchen im Attergau, Neukirchen an der Vöckla, Geiersberg, Reiterspiele statt.

Hier können sich die Reiter in verschiedenen Disziplinen mittelalterlicher Spiele messen und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Das Kranzlstechen ist dabei ein wesentlicher Bestandteil!

Kein Kranzl aber eine Kufe

Ein waghalsiger Ritt ist auch das Gailtaler Kufenstechen!

Was im hohen Norden Deutschlands als „Tonnenabschlagen“ gefeiert wird, nennt sich in Kärnten das „Gailtaler Kufenstechen“ und ist hier eine der traditionellsten Brauchtumsveranstaltungen überhaupt.

Jedes Jahr an den Kirchtagen zwischen Pfingsten und Mitte September findet es in mehreren Orten des unteren Gailtals statt.

Hier versuchen die unverheirateten Burschen des Ortes im Vorbeireiten ein Holz-Fass mittels eines Eisenschlögels zu zerschlagen.

Warum? Natürlich wieder um den Damen zu imponieren!

Foto: Franz Neumayr

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